Vorgeschichte

Wenn man sich nach den ersten Gehversuchen am Tieftöner nicht vernünftigerweise mit der Weiterentwicklung der eigenen Spielfähigkeiten auseinandersetzen mag bleibt als Ausweg immer noch die bequeme Erweiterung des Instrumenten- oder Zubehörfuhrparks. Dabei stößt man dann zwangsläufig auf die sound- und stilprägenden Instrumente der letzten Jahrzehnte und kommt kaum um die Indoktrination zweifelhafter Aussagen sogenannter Fachzeitschriften herum. Auf der Suche nach „dem“ Sound kann man dann bei weiterer Vernachlässigung der eigenen Fingerfertigkeiten kleine oder große Unsummen versenken und landet vielleicht irgendwann auf der Webseite von Manfred Zollner. Dieser hat in seinem über 1000 Seiten umfassenden Lebenswerk die Physik der Elektrogitarre ausgiebig untersucht und nebenbei auf sehr charmante Weise die Aussagen zahlreicher Fachredakteure ad absurdum geführt. Insbesondere die Auswirkungen verschiedener Holzarten auf den verstärkten Klang der E-Gitarre sollte man sich unbedingt mal zu Gemüte führen.

Dass eine in das Instrument verbaute Aktivelektronik den Sound maßgeblich beeinflusst, ist dann die Überleitung zu diesem Artikel.

Seit Jahrzehnten ist der MusicMan Stingray einer der Bässe, die es irgendwie geschafft haben, zu einer eigenen Kategorie zu werden. Gerade im  Funk-/Rocksegment erfreut sich das Instrument großer Beliebtheit, was wohl auf den charakteristischen Sound insb. beim Slappen zurückzuführen ist. Irgendwie klingt’s immer „warm“ und trotz offensichtlich stark ausgeprägter Höhen-/Hochmittenfrequenzen selten „spitz“ oder gar „nervig“. Auf zahlreichen Webseiten gibt es seitenlange Diskussionen zu diesem Thema und immer wieder taucht dabei der Vergleich aktueller Instrumente zu den Mitte der siebziger Jahre des letzten Jahrtausends gebauten auf. Deren 2-Band-Preamp sei aktuellen Modellen überlegen, nur dieser bringe „den“ Sound, usw., usw. …

Glücklicherweise ist vor einigen Jahren auch der Schaltplan dieses Preamps verifiziert im Netz aufgetaucht, so dass Untersuchen hinsichtlich der Besonderheiten genau dieser kleinen Schaltungen möglich sind. Insb. der User „BajaMan“ hat sich hier sehr positiv hervorgetan und Plan und Verolayout bereitgestellt.Die Ausführungen auf dieser Seite basieren auf diesem Schaltplan, auch wenn in der Folgezeit minimale Änderungen der Bestückung vorgenommen worden sind.

Der Stingray-Preamp

Der von Leo Fender (oder irgendjemandem aus seinem Umfeld) für den MusicMan-Stingray entwickelte 2-Band-Preamp erfreut sich auch knapp 40 Jahre später immer noch großer Beliebtheit und wird oftmals sogar seinem direkten Nachfolger mit drei Frequenzbändern vorgezogen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Bass-Preamps weist dieser eine gravierende Besonderheit auf: die Wirkungsweise beruht auf der Interaktion mit einem niederohmigen Humbucker, dessen Induktivität Teil eines Reihenschwingkreises ist, der durch den Treble-Regler lediglich bedämpt wird. Dies ist auch der Grund für den Einsatz eines sonst eher selten in Instrumenten anzutreffenden 1MAC-Potis (1MΩ, rev. log).

schem1

Die Widerstände R4 und R17 stellen dieses Treble-Poti dar. Die eine Hälfte (oben mit x bezeichnet) wird beim Aufdrehen immer niederohmiger und entdämpft damit den Schwingkreis aus L1 und C2. Die andere Hälfte sorgt an der entgegengesetzten Reglerstellung für die Rückkopplung hoher Frequenzen auf den invertierenden OP-Eingang – ziemlich clever gemacht!

Der Widerstand R6 symbolisiert das Bass-Poti, dass hier als einstellbarer Widerstand bassreglerbeschaltet wird und mit der Außenbeschaltung einen typische Kuhschwanzverlauf bewirkt. Wie rechts zu sehen, ist die Verstärkung/Absenkung nicht ganz symmetrisch und es können deutliche Anhebungen erzeugt werden.

Simuliert man die Schaltung oben für ein voll aufgedrehtes Treble-Poti und variiert dabei die Induktivität des Pickups, dann wird deren Einfluss ganz deutlich. Die Schwingungsgleichung des alten Thomson gilt annäherungsweise, da die Wicklungskapazität vernachlässigbar ist.

freq1

Dies hat natürlich zur Folge, dass das Übertragungsverhalten maßgeblich vom Pickup abhängt und erklärt zumindest teilweise, warum Bässe aus dieser Zeit schon unterschiedlich klingen, denn die Wicklungszahl geht ja bekanntermaßen  quadratisch in die Induktivität ein. Offensichtlich haben das die Jungs um Herrn Fender seinerzeit bedacht (oder es ist versehentlich passiert…), denn im klassischen Stingray wird ein niederohmiger Humbucker mit parallel geschalteten Spulen verwendet, wodurch zwar eine geringere Ausgangsspannung im Gegensatz zur Serienschaltung entsteht, gleichzeitig jedoch Innenwiderstand und besagte Induktivität reduziert werden. Vielleicht wollte man damals aber auch einfach etwas Draht einsparen, schneller mit dem Wickeln der Tonabnehmer fertig werden oder sicherstellen, dass die Resonanzfrequenz nicht zu weit in den Mittenbereich absinkt… who knows …

treb_bass_fullDie Lage der Resonanzfrequenzen sind auf den ersten Blick für eine sog. Höhenregelung vielleicht bemerkenswert, aber es handelt sich ja um einen Bass und kein HiFi-Gerät. An einer Bassbox ohne zusätzlichen Hochtöner wird man also beim Betätigen des Treble-Reglers noch Auswirkungen bemerken, auch wenn man sich eigentlich irgendwo im Hochmittenbereich befindet. Links sind die Extrempositionen des Treble-Potis bei voll aufgedrehtem Bass-Poti zu sehen. Offensichtlich lässt sich da eine extreme „Badewanne“ in den Frequenzgang einbringen.

Zum Vergleich dazu nochtreb_bass_outmal die selbe Simulation mit zugedrehtem Bass-Poti…

An dieser Stelle werfen sich dann diverse Frage auf:

  1. In wie weit unterliegt der Sound des Stingrays überhaupt nicht-elektronischen Komponenten?
  2. Kann man den typischen Sound auch dann erzeugen, wenn man eine ähnliche Holzkonstruktion mit besagter Elektronik versieht (und dabei vielleicht einen Haufen Geld sparen)?

Also flux die Schaltung auf ein Veroboard gelötet und in einen Washburn XB-500 verpflanzt, dessen Preamp mich nie wirklich umgehauen hat (Bild folgt). Das Ergebnis ist absolut vielversprechend. Enormer Bassschub und sehr angenehme Höhen, die man auch mal reindrehen kann, ohne dass eine merkliche Rauschfahne dazukommt. Das Ergebnis hatte leichte Anleihen beim MusicMan jedoch noch deutlich anders, was auf die Tonabnehmer (zwei Humbucker) und vor allem deren Einbaupositionen zurückzuführen ist. Alles in allem schon deutlich besser als vorher, aber noch nicht ganz am Ziel…

 

Der Cheapray

Wenn man also davon ausgeht, dass das Insrument im Großen und Ganzen irgendwie dem klassichen Stingray nahekommt, dann sollte da doch was zu machen sein…

Nach kurzer Suche habe ich dann einfach mal die aktuell billigste Kopie aus dem Kleinanzeigenmarkt organisiert. Westone2

Dieses Instrument der Firma „Westone“ (nie gehört, wahrscheinlich zu Recht…) zeichnet sich durch eine furchtbar hässliche Kopfplatte, ein schief sitzendes Elektronikblech und auch bei der sonstigen Verarbeitung an nicht sichtbaren Stellen (brutale Stechbeiteloperationen im Elektronikfach, mittelmäßige Halseinpassung,…) mäßige Qualität aus. Ein idealer Kandidat für dieses Experiment:-)

IMG_0033In das Elektronikfach passt allerdings kein Veroboard und daher musste erstmal eine passende Schaltung entworfen werden, die idiotensicher einzubauen und bei Bedarf (spätere Modifikationen) auch wieder zerstörungsfrei ausgebaut werden kann.

 

 

 

pre1

Das Ergebnis ist eine kleine Platine, die sinnvollerweise direkt an den Anschlüssen des Bass-Potis angelötet wird und über Steckverbinder Kontakt zu den anderen Komponenten bekommt.

Der Einbau ist damit relativ leicht zu bewerkstelligen…

IMG_0036

Netterweise sind der Werkspickup die Spulenanschlüsse nach außen geführt und Bass1offensichtlich hat man hier auch versucht, dem Originalpickup nahe zu kommen, denn die Spulen weisen jeweils einen Widerstand von knapp unter 3 kΩ auf, so dass sich in der Parallelschaltung ca. 1.3 kΩ ergeben – das lässt hoffen…
Nach einer abschließenden kosmetische Kopfplattenbehandlung mit der Stichsäge und Austausch des Sattels, um die Seitenlage später optimieren zu können, was dann der „Cheap Stingray“ erstmal spielfertig.

Das Ergebnis kann sich aus meiner Sicht schon hören lassen. Ob das denn nun der „echte“ Stingray-Sound ist oder nicht, kann mangels Vergleichsmöglichkeiten nicht beurteilt werden, aber es klingt (direkt in die Soundkarte schlecht gespielt ;-)) auf jeden Fall deutlich besser als vorher.

Danach stellt sich dann irgendwie die nächste Frage: was bringt ein sog. „Reissue-Pickup“, also ein Tonabnehmer, der angeblich nach den Originaldaten gewickelt wurde.

Ich hab’s gewagt und einfach mal einen Seymour Duncan Alnico V geordert. Der war zwar genauso teuer wie das gesamte Experiment bis zu diesem Zeitpunkt aber was soll’s…

Das Ergebnis ist aus meiner ganz subjektiven dann etwas enttäuschend ausgegangen, denn am Sound hat sich nicht merklich viel geändert, wie das nächste Video zeigt.

(Ja, beide Videos sind furchtbar gespielt ;-))

Zusammenfassung

Die am Anfang geschilderten Vermutungen bestätigen sich tatsächlich. Der Sound des Stingray kommt offensichtlich maßgeblich durch die Kombination eines niederohmigen Pickups ein gutes Stück vom Steg weg positioniert und dessen Zusammenspiel mit dem Preamp zustande. Allerdings ist die Stichprobe wohl auch zu klein, um daraus eine allgemeingültige Aussage abzuleiten.

(Fortsetzung unter Cheapray 5-String)

 

 

2 Kommentare zu „MusicMan Stingray Classic Preamp

  1. Hi Andy.
    I’m thinking to use this preamp in a 5 string bass I’m building.
    Is it possible to use it in a 2 pickup configuration?
    I saw you playing a 2 pickups bass in the second video, how did you do that?
    Many thanks.
    Rui

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    1. Hi Rui,

      as written above, the preamp needs a low/mid output pickup wired in parallel to archive the needed inductance of about 1,5H.
      Any other inductance will shift the treble frequency. Higher inductances (which are typical for most bass pickups) will shift the resonance spot down.
      You should check what kind of inductance your pickups have and if possible wire each one in parallel or add some switches etc.
      The bass I used in the 2nd video has Bartolinis which are great but not very suitable for the preamp.

      Also note that you can not use a blend pot or two volume pots because the preamp must be directly connected to the pickup (or a pickup toggle switch).

      Regards
      Andy

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